Morbide genug für upgrade?

Morbide genug für upgrade?

Eine blöde oder zu harte Frage? Einfach mal weiterlesen und staunen.

Upgrade: Klingt ja meistens gut. Vor allem, wenn es nichts extra kostet. 1. Klasse statt 2. Klasse oder Mittelklasse statt Kleinwagen. Warum nicht?

Nur hier geht es mehr um ‚upcoding‘.

Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) ist hierzu das Stichwort: Als ‚morbid‘ gelten vor allem in der Medizin Personen, die (beständig) krank; todesnah, todgeweiht sind.

Klingt scheußlich, gruselig, vor allem für uns – die damit wohl gemeint waren.

Wer diesen Morbi-RSA angestoßen hat? Manche Krankenkassen! Dabei ging es angeblich um faire Wettbewerbsbedingungen. Krankenkassen werben zwar vehement neue Mitglieder. Diese sollten aber besser nicht allzu krank sein. Jedenfalls nicht zu lange. Und der Vergleich untereinander führte dann 2009 zum Morbi-RSA: Krankenkassen mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von ‚teuren‘ Patienten können so einen Ausgleich dafür aus dem gemeinsamen Gesundheitsfonds erhalten. An sich mag dieser Denkansatz ja gut sein. Quasi wie Länderfinanzausgleich. Aber wie so oft im Leben kamen gleich die Schlaumeier und Nimmersatts: Wenn schon Patientin X. dauerhaft und schwer krank dann doch gleich mit den richtigen und ‚ertragreichen‘ Diagnose-Kennzeichen durch die behandelnde Ärztin. Das Szenario dazu:

  • Agentur bietet Krankenkassen Hilfe bei ‚Wertschöpfung‘ nach dem Morbi-RSA an.
  • Krankenkasse sieht bei einigen Ärzten einen gewissen ‚Fortbildungs- oder Unterstützungsbedarf‘ bei der Vergabe von Kennziffern.
  • Agentur meldet sich in der Praxis telefonisch oder mittels Besuch zwecks ‚upcodings‘.
  • Und das Triple wäre ggf.: Provision für Agentur + höhere Kassenleistung an Arzt + höhere Ausgabe der Krankenkasse. ABER: Da greift jetzt der Morbi-RSA und spült Ausgleichszahlungen in die eigene Kasse
  • … und mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft.

Die Links weiter unten geben dir hierzu tiefere Einblicke. Wir spüren in unserer Liga Alt-Behindert-Krank  davon wenig oder gar nichts.  Aber wenn schon ‚upcoding‘ dann wenigstens mehr Behandlungszeiten, mehr Therapie, bessere Versorgung. Denn nur undurchsichtige Mauscheleien und Geldgeschäfte – nein danke. Das belastet die Versichertengemeinschaft und zerstört Vertrauen.


Sozialversicherung-kompetent

DIE ZEIT

Abendblatt Hamburg

tagesschau.de/inland/krankenkassen-upcoding-101.html

Hintergründe aus DIE WELT

Bundesversicherungsamt


Ein Terrain, auf dem wir zwar als große Portion gelten sollten.
ABER: Falsche Stelle, falsche Welle.
Kennst du eigentlich deine ICD-Codes?
Einfach mal fragen oder hier googeln:

http://www.icd-code.de/suche/


Oktober 19, 2017

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